4. Dezember 2008

aus ecken herausdenken!

es ist gemuetlicher aus ecken heraus zu denken, die schon bekannt sind. hier ist es so schoen warm und kuschelig. diese ecke des sofas kennen wir schon und von hier aus haben wir die beste sicht. ausserdem: alles muessen wir jetzt ja auch nicht sehen, so unbedingt! wir koennen uns ja schliesslich nicht um alles kuemmern. das renkt sich schon alles wieder von selbst ein. wenn's brenzlig wird, ist uns noch immer etwas eingefallen.

immerhin.
also immerhin bezahlen wir ja auch dafuer. und fuer irgendwas muessen sie ja gut sein. hier kann uns auch so bald nichts geschehen. und wenn schon. hier kennen wir alles und von hier aus koennen wir (mal leise, mal lauter) alles kritisieren, was nach alternativen riecht. das haben wir uns - klug wie wir nunmal sind - clever ausgedacht (ja, okay, wir haben es uns jetzt nicht alleine einfallen lassen, ein bisschen geholfen ist uns schon geworden).

so sind wir jetzt - und solange wir nicht einmal den spiegel erkennen (hat da grad jemensch geschrieen?) - und auch hinkuenftig davor gefeit zu erkennen, dass es die alternativenlosigkeit ist, die uns an uns selbst fesselt. machtlos und unfaehig irgendetwas zu unternehmen bleiben wir in der schlammgrube kleben, in die wir tagtaeglich reinspucken.

der grind hier gehoert wenigstens uns. auch wenn uns eh niemand mehr glaubt, dass wir hier gluecklich werden koennen, vergewissern wir uns bei jeder begruessung, das dem so ist: ja, wir sind gluecklich! ja, es geht uns gut! ach was, es ging und nie besser! hauptsache gesund und ach ja wird schon wieder werden! darf ich dir noch was zu trinken bringen?

26. November 2008

weil's schon wieder wie die faust auf den augapfel passt:

"I don't have to tell you things are bad. Everybody knows things are bad. It's a depression. Everybody's out of work or scared of losing their job. The dollar buys a nickel's worth, banks are going bust, shopkeepers keep a gun under the counter. Punks are running wild in the street and there's nobody anywhere who seems to know what to do, and there's no end to it. We know the air is unfit to breathe and our food is unfit to eat, and we sit watching our TV's while some local newscaster tells us that today we had fifteen homicides and sixty-three violent crimes, as if that's the way it's supposed to be. We know things are bad - worse than bad. They're crazy. It's like everything everywhere is going crazy, so we don't go out anymore. We sit in the house, and slowly the world we are living in is getting smaller, and all we say is: 'Please, at least leave us alone in our living rooms. Let me have my toaster and my TV and my steel-belted radials and I won't say anything. Just leave us alone.' Well, I'm not gonna leave you alone. I want you to get MAD! I don't want you to protest. I don't want you to riot - I don't want you to write to your congressman because I wouldn't know what to tell you to write. I don't know what to do about the depression and the inflation and the Russians and the crime in the street. All I know is that first you've got to get mad. (shouting) You've got to say, 'I'm a human being, god-dammit! My life has value!' So I want you to get up now. I want all of you to get up out of your chairs. I want you to get up right now and go to the window. Open it, and stick your head out, and yell, 'I'm as mad as hell, and I'm not going to take this anymore!' I want you to get up right now, sit up, go to your windows, open them and stick your head out and yell - 'I'm as mad as hell and I'm not going to take this anymore!' Things have got to change. But first, you've gotta get mad!...You've got to say, 'I'm as mad as hell, and I'm not going to take this anymore!' Then we'll figure out what to do about the depression and the inflation and the oil crisis. But first get up out of your chairs, open the window, stick your head out, and yell, and say it: 'I'm as mad as hell, and I'm not going to take this anymore!'"

[Network (1976)]

25. November 2008

gruppensex (aber ohne kapitalismus!)

"... aber du kannst doch jetzt dem kapitalismus nicht an allem die schuld geben."

darauf antworte ich erst mal mit einem provokantem "doch!" und meine damit, wie die kapitalistische produktionsweise uns in eine bestimmte gesellschaftliche form zwaengt (schau dich doch nur mal um!).

die D. fragt mich dann noch, was denn dann mit der partner_innen-wahl waere und ob die denn dann auch dem kapitalismus geschuldet waere. ich ruecke daraufhin nicht von meiner annahme ab und kann dennoch keine befriedigene antwort (fuer die D. als auch fuer mich) darauf geben wie genau das jetzt gemeint ist.

beim reflexiven spaziergang mit der W. fange ich dann an mir folgendes dazu zu denken:

"also der kapitalismus bestimmt meine daseinsform. egal ob ich damit lebe / damit umgehen kann oder mich in irgend einer weise gegen die gesellschaftlichen verhaeltnisse zu wenden versuche. ich lebe  ununterbrochen und staendig in kapitalistischen verhaeltnissen. solange keine_r dagegen etwas unternimmt und niemenschdem etwas besseres einfaellt, wird das wohl auch noch eine weile so bleiben.

alles was mich umgibt und alles in mir drinnen wird / wurde durch den kapitalismus gepraegt. damit ist dann auch festgelegt wie und wo, in welchem kontext ich menschen begegne und / oder naeher kennenlerne. mit anderen worten: ein restriktives system erlaubt nur ganz gewisse (konstruierte) freiraeume in denen soziale interaktion moeglich ist (bus, privatparty, supermarkt, bar, arbeitsplatz, uni, internet, kundgebung, gefaengnis, musikantenstadl, kino, sportverein, aussteiger-ressort, campingplatz, intensivstation).

wenn ich darueber jetzt nichts weiss (und selbst wenn!), dann kann ich nur soweit handeln, wie es meine anerlernte disziplinierung eben erlaubt.

eingeschraenktes handeln und somit ein uneingeschraenktes selbstverstaendnis darf ohne weiteres den "aeusseren umstaenden" angelastet werden. weil sich der mensch jetzt konform zur gesellschaftlichen norm verhalten muss (mit einschraenkungen) - STOP! - ich korrigiere: solange sich der mensch konform zur gesellschaftlichen norm verhaelt bzw. anerlernte verhaltensweisen nicht dekonstruiert oder dekonstruieren kann (weil kein zugang dazu), geben fremdbestimmte kraefte impulse den ausschlag fuer das eingehen partnerschaftlicher beziehungen.

anders gesagt: ich verliebe mich einen menschen in einer konstruierten zeit, zu konstruierten anlaessen, an konstruierten (eventuell sich so herausgebildeten) orten, die alle so real sind wie ich es bin. jedenfalls sicher nicht aufgrund einer unter  der oberflaeche befindlichen essenz eines bestimmten typs von frau oder mann.

beispiele? hmm ...

mann und mann? mann und mann und frau? 29 jahre jung und 74 jahre alt? monogamie? transgender?
instinkte? hormone? seelenpartner_innen? sex? individuum?

worauf wollte ich jetzt eigentlich hinaus? irgendwas mit liebe die es gar nicht gibt, sondern hald nur konstruiertes gemeinsames wohlbefinden auf zeit. gesellschaftliche und letztendlich nicht hinterfragte heteronormative konstrukte (ganz europa basiert auf der idee, dass saemtliche beziehungen der menschen immer und ueberall - in allen galaxien - durch das modell frau und mann und kind (und ev. hund) erklaerbar ist), die als natuerlich und essentiell menschlich erklaert werden, vermitteln den irrglauben, dass wir uns eh alle auswegslos in die menschen verlieben, die fuer uns schon immer bestimmt waren.

und weil hald jetzt die tolle, tolle heterosexuelle, monogame, sterile liebe als einziges ding unantastbar ausserhalb des kapitalismus stehen darf (von wegen "can't buy me love!") wird sie uns sicherlich alle (irgendwann) erretten und zur belohnung duerfen dann alle im himmel gemeinsam koerperlosen gruppensex haben.

ja eh!